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Angst - Fluch oder Segen?

Frau wird von hauchdünnem Stoff umhüllt und sieht ängstlich aus

Ich habe das Gefühl, dass Angst mein ständiger Wegbegleiter ist. Und das, obwohl ich keine Angststörung habe. Ich bin mit wenig Mut und Selbstständigkeit groß und in diese Welt geschickt worden. Wenn sich etwas Unangenehmes vermeiden lässt, so ist der Wunsch und der Gedanke daran sehr groß. Nur leider beraube ich mich dadurch selber sehr vieler Möglichkeiten und Chancen, die Welt zu entdecken und etwas zu erleben. Oft verstärken sich Ängste, Depressionen und Zwänge gegenseitig. Sowohl im Positiven wie auch im Negativen.

Ist die Angst daher nun also Fluch oder Segen?

Im ersten Moment würde sicherlich jeder sagen, dass Angst nicht gut. Angst fühlt sich einfach nicht gut an. Und doch ist es ein uralter Instinkt, der uns vor Gefahren warnt und uns darauf vorbereitet, zu reagieren. Anzugreifen, zu flüchten oder aber zu erstarren. Dieses Gefühl kennt jeder. Ob nun krank oder gesund.

Einsames Haus am Meer Schwarz-Weiß

Fluch?

Ich empfinde meine Angst oder um es vielleicht etwas abzuschwächen Ängstlichkeit als meistens eher hinderlich. Ich habe Angst vor allem Neuem. Ich habe Angst, vor Publikum zu stehen. Ich habe Angst, der Mittelpunkt zu sein. Ich habe Angst, zu verreisen, weil ich wiederum Angst habe, nicht wieder heimzukommen. Ich habe Angst vor Chaos. Ich habe Angst, alleine zu sein. Meine größte Angst aber ist es, verlassen zu werden. Diese Angst ist für mich von einer existenziellen Größe. Mein Kopf hat in der Kindheit mit dem Verlust einer wichtigen Bezugsperson umgehen müssen, es aber nur auf Gefühlsebene ein Stück weit schaffen können. Ich war damals von der Entwicklung einfach noch nicht so weit, als dass ich das Ganze hätte rationaler begreifen und verarbeiten können. So entstand meine größte Angst im Leben. Wenn diese Angst zum Vorschein kommt, bin ich wieder das kleine Kind. Ich fühle, denke und handele dann leider auch so. Die Angst ist so tief in mir verwurzelt, dass ein rationaler erwachsener Zugang dazu fast unmöglich erscheint. Aber eben auch nur fast. Auch wenn ich ehrlich gesagt aktuell wenig davon überzeugt bin, diese Angst jemals in den Griff zu bekommen, so habe ich aber dennoch immer noch Hoffnung darauf.

Frau sitzt allein auf großem Stein und beobachtet Sonnenuntergang

Segen?

Als ich vor Kurzem mit jemanden über genau dieses Thema sprach, sagte er mir, dass die Angst doch auch etwas Gutes habe, denn sie treibe mich voran. Und irgendwie hat er recht. Denn meine Angst, ganz alleine auf dieser Welt zu sein, ist so viel größer als meine Scheu vor neuen Menschen. Und so gehe ich doch immer wieder hinaus in diese Welt, auch wenn sie mir Angst macht. Es ist viel Arbeit und kostet auch viel Kraft, aber die Alternative erscheint mir um einiges schlimmer und bedrohlicher, sodass ich einfach nicht aufgebe. Ich möchte da raus, ich möchte etwas erleben, ich möchte mit anderen Menschen zusammen sein. Ich möchte Leben. Der Angst zum Trotz. Wenn ich die Angst überwinde, kann ich vielleicht auch die Depression besiegen.

Jemand reicht trauriger (sitzender) Frau die Hand

Die Chance

Siehe deine Erkrankung, welche es auch immer sein mag, daher nicht nur als Belastung oder als etwas Schlechtes. Versuche, deinen Blick darauf zu richten, welche Chancen sie dir auch bieten kann. Suche nach dem Positivem im vermeintlich Negativen. Auch du kannst es schaffen.

Von Ricarda


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